Mittwoch, 13. Mai 2015
Glückspilze
Vielleicht habt ihr es schon mal bemerkt - unter uns laufen einige Glückspilze herum, die sich ihres eigenen Glückes nicht bewusst sind. Vielleicht habt ihr sie auch nicht bemerkt, denn sie setzten äußerst selten das Gesicht auf, das man von einem Glückspilz eigentlich erwarten würde. Sie erkennen kann man nur durch ein gründliches Menschenstudium.

Anders als das klassische Glück äußert sich ihres vor allem in der Annahme, alle ihre Gaben seien selbstverständlich und bei jedem Menschen vorhanden.

Kein Wunder also, dass sie sich über die Dekadenz und Unmöglichkeit ihrer Mitmenschen fortwährend entrüsten und ihr Leben daransetzen, ihnen ihre Irrtümer aufzuzeigen und sie zur Umkehrung zu bewegen.

Dies allerdings stößt mit aller Macht gegen die Schranken der Realität, derer sich die Glückspilze entfremdet haben:
Denn was tut ein Abhängiger, dem gesagt wird, er solle seine Gier zügeln? Was tut ein Verzweifelter, der gesagt bekommt, man müsse sich im Leben anstrengen? Was macht einer, dem alles egal geworden ist, wenn er als faul bezeichnet wird? Was soll ein Stummer machen, von dem man verlangt, dass er einfach mal den Mund aufmacht? Was macht ein Verängstigter und Verunsicherter, den man als Egoist beschimpft?

Man vergesse schließlich nicht, dass diese Menschen weder mit dem unerschütterlichem Selbstbewusstsein oder Kampfgeist, noch mit der unbeirrbaren Sicherheit ihrer Werte, dem gesunden Maß an Selbstwertgefühl, der Fähigkeit zur Hoffnung und Ausdauer oder sonstigen Gaben gesegnet sind, anders als ihre Ankläger.

Vielleicht ist gerade dieser Gegensatz zwischen Realität und Wuschdenken daran schuld, dass bislang keine Gewissensmache der Geschichte ihren wahren Zweck erfüllen konnte.
Wer weiß? Was meint ihr?

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